Zur Geschichte des Hofes Drögemüller

Als diese Aufnahme 1910 entstand, wurde Landwirtschaft nur im Nebenerwerb zur Eigenversorgung betrieben. Das Stellmacherhandwerk stand eindeutig im Mittel-punkt. Links die Senioren Marie und Wilhelm Drögemüller. Bildmitte: Hoferbe Ernst I.

  Knapp 160 Jahre ist Familie Drögemüller in Scharnhorst ansässig. Stammvater Fritz hatte eine Tochter aus dem hiesigen Drallen-Hof geheiratet und betrieb seine Stellmacherwerkstatt zunächst provisorisch auf dem Gehöft der Schwiegereltern. 1858 wurde am südlichen Dorfrand eine sogenannte Abbauerstelle gegründet in einer Epoche großer Umwälzungen durch Agrarreformen im Königreich Hannover und die aufziehende industrielle Revolution.

 

  Um 1820 waren die Vorfahren aus Wietzendorf im Kreise Soltau als Stellmacher auf das Rittergut Habighorst übergesiedelt. Nebenan arbeitete Schmied Brese, der schon einige Zeit früher nach Habighorst gekommen war. Nach der Familienüberlieferung schuf der Bau der Eisenbahnstrecke Hannover-Celle-Harburg 1845-47 die wirtschaftliche Basis, um sich ein Dorf weiter in Scharnhorst selbstständig machen zu können: 5.000 Wanderarbeiterr im Streckenabschnitt Celle – Eschede brauchten Handwerkszeug wie hölzerne Schubkarren, Schaufeln, Spaten. Die Epoche der Bagger, Planierraupen, LKW und Baumärkte lag noch ganz weit weg. Und so profitierten die Breses und Drögemüllers ganz praktisch von den neuen Dampfrössern, in dem sie kräftig Hand anlegten und manche Sonderschicht machten.

 

 Die Scharnhorster Drögemüllers kommen ursprünglich wohl aus dem Kirchspiel Suderburg. Bis 1526 kann man sie dort in Hösseringen und Räber mit bäuerlichen Wurzeln zurückverfolgen. Wie in der Lüneburger Heide üblich, übernahm im Regelfall der älteste Sohn den Hof. Die nachgeborenen Geschwister blieben meistens auf dem Hof oder ganz in der Nähe und übernahmen die finanziell oft lukrativere Rolle des Schäfers oder Imkers. Manche „weichenden Erben“ wurden Handwerker - wie in unserem Falle: Stellmacher, also Spezialisten für Wagenräder. Stationen auf dem Weg ins Kirchspiel Eschede waren Räber (Kirchspiel Suderburg), Gerdehaus (Kirchspiel Müden/Örtze) und Wietzendorf.

 

  Als sich im 15./16. Jahrhundert feste Familiennamen auf dem flachen Lande durchsetzten, saß der „dröge Müller“ wahrscheinlich auf einer Wassermühle mit schmalbrüstiger Wasserversorgung, die bei Niedrigwasser versagte. So könnte das in Hösseringen an der Hardaumühle gewesen sein. Indizien sprechen für die Auermühle bei Steinhorst als Ausgangspunkt jener Namensvetter, die sich gehäuft im Raum Eldingen-Steinhorst-Hankensbüttel finden, zu denen sich aber über Jahrhunderte keine verwandtschaftlichen Beziehungen zur Scharnhorster Linie nachweisen lassen. Noch heute gibt es eine Drögemühle in Rondeshagen südwestlich von Lübeck, und in der Hansestadt ein weiteres Drögemüller-Namensnest. Auch am Rande von Gardelegen in der Altmark gibt es bis heute eine Drögemühle. 

 

  Bereits bei der Ansiedlung in Scharnhorst hatte die erste Generation 1858 zwei hannoversche Morgen Ackerland und 3,5 Morgen Ödland zur Selbstversorgung mitgekauft. Bis zum Tode der Hofgründer werden sukzessive 80 Morgen weitere Moor– und Heideflächen erworben. Das Land ist zum größten Teil verpachtet. Für den Eigenbedarf werden zwei Kühe, einige Schweine und Hühner gehalten. Die Stellmacherwerkstatt steht klar im Vordergrund. Erst 1910 erfolgt der systematische Einstieg in die Landwirtschaft: Hoferbe Ernst I. war noch als Stellmacher ausgebildet, darf aber bereits die landwirtschaftliche Fachschule in Meinersen besuchen. Die ersten Pferde werden angeschafft. Die Werkstatt wird weiter vom Senior gemanagt, der noch bis zu seinem Tode 1931 mit fast 85 Jahren an der Werkbank steht. Den letzten Ackerwagen baut er 1930 für einen Marweder Hofbesitzer und Abenteurer.

 

  Nach dem frühen Tod von Ernst I. im Jahre 1920 und als direkte Folge von Inflation und Weltwirtschaftskrise der Weimarer Republik gerät der Betrieb in eine längere Stagnation, die erst nach 1950 in der vierten Scharnhorster Generation von Ernst II. und Irmgard Drögemüller überwunden werden kann. Mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit gerät der kleine Betrieb auf Expansionskurs, der sich unter Ernst III. und Margarete ab 1975 beschleunigt . 1958 wird ein erster Traktor (IHC mit 24 PS) angeschafft, 1967 geht das Pferdezeitalter auf dem Hof zu Ende. 1976 erfolgt eine umfassende Modernisierung des Kuhstalles mit zeitgemäßer Stalltechnik. Das Beregnungszeitalter beginnt 1977. Weiterer Meilenstein ist der Bau eines Boxenlaufstalles für 50 Milchkühe im Jahre 1992.

 

   Mit Dirk und Silke übernimmt 2000 die sechste Scharnhorster Drögemüller-Generation die Verantwortung. Der nach 1945 immer stärkere Verdrängungswettbewerb bekommt durch die Globalisierung der Märkte eine neue Dimension. Die Weltmarktlage erfordert mutige Entscheidungen, an deren vorläufigen Ende der 2009 eingeweihte Boxenlaufstall für zunächst 120 Milchkühe (in einer Phase epochal niedriger Milchpreise) und schließlich 2011 die Kooperation mit dem Familienbetrieb Alps unter dem Dach der BENTLOH KG stehen.

 

 

 

Sechs Generationen auf einen Blick

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